Bullen brauchen auch mal Glück

Veröffentlicht 30. Juli 2018 in Schreiben

Als Autor von TV-Krimis ist eine meiner größten Schwierigkeiten, dass die Ermittler so wahnsinnig clever sein müssen. Schon klar, niemand will einen dummen Bullen sehen, der seine Fälle durch Zufall löst, aber die ewigen pseudoschlauen Ermittlerleistungen  (ich gebe zu, ich hasse dieses Wort), nach denen bei der Entwicklung von Krimi-Drehbüchern so oft gesucht wird, gehen mir persönlich auf die Nerven.

Ja, einerseits weil’s mir schwer fällt, mir welche einfallen zu lassen, aber auch, weil sie irgendwann total überkonstruiert sind, und mich die menschlichen Seiten der Ermittler einfach mehr interessieren. Häufig gehen die von den Autoren clever durchdachten und gebauten Ermittlungen beim Schauen der Serie so schnell an einem vorbei, dass man als Zuschauer so schnell gar nicht mitkommt.

In Romanen sieht das zum Glück oft anders aus. Zum Beispiel in Adrian McKinty’s Reihe um den irischen Polizisten Sean Duffy. Zur Zeit lese ich In the morning I’ll be gone, den dritten Roman, in dem Duffy versucht einen IRA-Terroristen zu finden und gleichzeitig den Mord an einer jungen Frau zu klären. Duffy beißt sich an dem Fall die Zähne aus, alle Spuren führen ins Leere  – und dann schreibt McKinty das hier:

Tut der Spannung nicht den geringsten Abbruch.

Und macht Duffy als Ermittler und als Mensch so viel sympathischer und authentischer.