RONDO – Sechs Kugeln für den Bastard

Veröffentlicht 19. März 2020 in Rondo, Schreiben

Nicht, dass wir durch die Corona-Pandemie unbedingt mehr Zeit hätten (wer Kinder hat, weiß wie leicht das Wörtchen Homeoffice so dahin gesagt ist), aber ich versuche trotzdem mal die momentane Situation zu einem kleinen kreativen Abenteuer zu nutzen, das mir schon länger im Kopf herumschwirrt.

Kurze, harte Western-Geschichten in Heftroman-Länge (schätze 20-25000 Wörter) um Rondo, einen einsamen Revolverhelden. Italo-Western, ick hör dir trapsen.

Namen und Idee zur Hauptfigur hatte ich schon während meiner Schulzeit. Sehr viel mehr allerdings nicht.

In den nächsten Tagen und Wochen will ich versuchen, Sechs Kugeln für den Bastard, das erste von möglicherweise mehreren Abenteuern meines Revolverhelden runterzuschreiben und hier während der Entstehung Stückweise zu veröffentlichen. Auch wenn ich die Story nur sehr grob im Kopf habe.

Aber das ist ja auch Teil der Herausforderung.

Selbstmotivation ist alles.

Also verzeiht mir eventuelle inhaltliche Patzer und entgangene Rechtschreibfehler, die werde ich vor Veröffentlichung der finalen Version (denke, zunächst nur als E-Book) selbstverständlich so gnadenlos ausmerzen wie Rondo seine Gegner.

Also, los geht’s:

 

Palo Duro Canyon, 6 Meilen südlich von Brinkwater, Texas

Dunkelheit. Hitze. Fliegen surren.
Das Atmen fällt schwer.
So schwer.
Etwas liegt auf ihm.
Er kann die Arme nicht bewegen.
Beine auch nicht.
Eingeklemmt.
Das Knarren von Rädern. Der harte Boden unter ihm vibriert.
Eine Kutsche.
Feuchtigkeit läuft über sein Gesicht.
In seinen Mund. Der Geschmack von Eisen.
Blut. Sein Blut?
Schmerzen. Ein erbarmungsloses Trommeln, das seinen Schädel von innen zu sprengen versucht.
Was ist passiert?
Ein plötzlicher Ruck. Die Kutsche hat gestoppt. Schritte. Angestrengtes Stöhnen.
Das Gewicht auf seiner Brust nimmt ab.
Aber nicht viel.
„Shit. Guck dir das an. Genau zwischen die Augen.“
„Quatsch nicht, ich will fertig werden.“
Zwei Männer. Ihre Schritte entfernen sich.
„Auf drei. Eins, zwei–„
„Drei.“
Das dumpfe Geräusch eines Körpers, der irgendwo aufschlägt. Immer und immer wieder. Prasselndes Geröll.
Die Schritte kehren zurück.
Die Männer stöhnen.
Angestrengtes Schnaufen.
Schritte, die sich entfernen.
Körper, die dumpf aufprallen, wieder und wieder.
Weil sie … einen Abhang hinunterrollen?
Er versteht. Die Körper. Sie liegen auf ihm. Und werden einer nach dem anderen von der Kutsche gezogen.
Wie oft kommen und gehen die Männer?
Zweimal … dreimal … viermal …?
Dann endlich kein Gewicht mehr auf seiner Brust.
Atmen. Auch wenn es schwerfällt. Endlich atmen.
Aber …
Er kann nichts sehen.
Obwohl seine Augen geöffnet sind.
Blind, denkt er mit einem Anflug von Panik.
Ich bin blind. 
Hände packen seine Knöchel. Zerren seinen Körper über das Holz der Kutsche. Ein weiteres Paar Hände. Finger, die sich in seine Schultern krallen.
Wissen Sie, dass er lebt? Er versucht etwas zu sagen. Aber kein Laut kommt über seine Lippen. Stattdessen krabbelt eine Fliege in seinen Mund.
Hey! Ich lebe! 
„Shit?“
„Was?“
„Guck mal. Der atmet. Er lebt.“
Ja! Ich lebe!
„Nicht mehr lange.“
Die Hände tragen ihn. Die Männer schnaufen. Stoppen. Das war nicht weit. Sein Körper beginnt zu schwingen.
Vor.
Und zurück.
Vor und zurück.
Und dann …
Fliegt er.
Ist für einen Moment schwerelos.
Bis er aufprallt. Eine Felskante.
Ein Blitzschlag durchfährt seinen Körper. Er hört seine Rippen brechen.
Er überschlägt sich.
In einer Lawine aus Gestein und Sand.
Einmal, zweimal, dreimal.
Bevor er wieder schwerelos ist.
Und schließlich …
Nichts mehr.

 

Fortsetzung folgt …