RONDO – Sechs Kugeln für den Bastard – Teil 14

Veröffentlicht 12. Mai 2020 in Allgemein, Roman, Rondo, Schreiben

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Er starrt in die Flammen des kleinen Feuers.
Sein Magen knurrt. Er hat Hunger.
Eine halbe Stunde nachdem die Mexikanerin entschieden hatte, ihn nicht zu erschießen, war seine Sehkraft zurückgekehrt. Er war in den Sattel gestiegen und in den Canyon geritten.
Er hat das Lager an der Stelle aufgeschlagen, an der sie sich heute morgen voneinander getrennt haben.
Und jetzt hört er ihre leisen Schritte auf dem sandigen Boden.
Er hat gehofft, dass sie kommt.
Sie tritt in den Feuerschein. In den Händen das Gewehr. „Du bist zurück.“
Er sieht sie an. „Ich brauche ein Versteck.“
Sie versteht, was er will. Sie zögert, aber dann deutet sie ihm mit einer Kopfbewegung an mitzukommen. Er löscht das Feuer mit Sand, nimmt die Zügel des Appaloosa und folgt ihr durch die Dunkelheit.
Diesmal verbindet sie ihm nicht die Augen.
Sie führt ihn zu einem Spalt zwischen massiven Felsen, gerade breit genug für einen Menschen und ein Pferd, und nur schwer zu entdecken, wenn man nicht danach sucht. Es geht bergauf. Der Untergrund besteht aus lockerem Geröll. Man muss vorsichtig sein, wo man hintritt. Mehrmals rutscht der Boden unter ihm und den Hufen des Appaloosas weg. Es ist derselbe Weg, über den sie ihn heute morgen mit verbundenen Augen geführt hat.
Knapp fünfzehn Minuten später erreichen sie das Plateau. Vor dem Tipi glüht ein kleines Feuer, um dass sie sich setzen, nachdem er den Appaloosa abgesattelt und gefüttert hat.
Sie reicht ihm getrocknetes Präriehundfleisch und beobachtet ihn schweigend, während er es hungrig hinunterschlingt.
„Schläft der Alte schon?“
„Toshawi ist eingeschlafen. Er war sehr alt.“
Er braucht einen Moment, bis er versteht, was sie meint.
„Das tut mir leid.“
Sie nickt nur.
Er sieht sie an. Er weiß, was es bedeutet, niemandem mehr zu haben.
Rondo greift in seine Satteltaschen, die neben ihm liegen, und hält ihr das Lederbündel hin, dass Brody ihm gegeben hat.
Sie versteht nicht.
„Nimm“, sagt er.
Sie greift zu. Schlägt das Leder auseinander und starrt auf das Bündel Dollarscheine.
„Es gehört dir“, sagt Rondo. „Geh zu Quanah ins Reservat oder zurück zu den Weißen. Egal, für was du dich entscheidest, das Geld wird dir helfen. Lass es nur niemanden sehen.“
Sie blickt ihn einen Moment lang an, dann sie schüttelt den Kopf und will ihm das Bündel zurückgeben. Er ignoriert sie und streckt sich neben dem Feuer aus. „Gute Nacht.“ Den Sattel als Kopfkissen, zieht er sich das Antilopenfell, dass sie ihm gegeben hat, bis zu den Schultern und schließt die Augen.
Das Feuer knistert.
Nach einer Weile hört er, wie sie sich aufrichtet und ins Tipi geht.
Die Müdigkeit breitet sich in seinem geschundenen Körper aus und er schläft ein.
Er wird wieder wach, als sie zu ihm unter das Fell gleitet.
Das Feuer ist erloschen, die Nacht ist kühl, aber er spürt die Wärme ihres Körpers.
Es tut weh.
Aber auch gut.

Fortsetzung folgt …