Revenge – Tony Scotts Meisterwerk

Veröffentlicht 31. August 2017 in Filme, Kino

Gerade fragte jemand auf Twitter, was ich momentan lese.

Das ist REVENGE, eine Novelle von Jim Harrison, Teil eines Buches mit drei Novellen, darunter auch LEGENDS OF THE FALL, die Vorlage für den gleichnamigen Film von Edward Zwick, mit Brad Pitt, Anthony Hopkins und Aidan Quinn.

Aber auch REVENGE wurde verfilmt, und zwar 1990, von Tony Scott. REVENGE ist auf den ersten Blick eine klassische Rache-Geschichte, die allerdings nicht so verläuft, wie es man es bei solchen Stoffen erwarten würde.

Scott hat daraus mit Kevin Costner, Anthony Quinn und Madeleine Stowe einen schwermütigen, brutalen, zutiefst romantischen und melancholischen Film gemacht, der sich eng an Harrisons Vorlage hält.

War ein gigantischer Flop damals. Nicht die Art von Film, die man von Leuten wie Scott und Costner erwartet hätte. Ich mag mehr oder weniger alle Filme von Tony Scott (mal abgesehen von BEVERLY HILLS COP II vielleicht), aber REVENGE ist sein Meisterwerk und definitiv wert (wieder)entdeckt zu werden.

Filme übers Wasser

Veröffentlicht 9. Juni 2017 in Allgemein, Filme, Kino

Gestern war #TagdesMeeres. Wie auf die meisten von uns, übt das Meer auch auf mich eine große Faszination aus. Was wahrscheinlich auch mit den Strandurlauben meiner Kindheit und Jugend zusammenhängt.

Wie auch immer, hier mal eine schnelle Liste von zehn geliebten Filmen, die jede Menge Meer oder in einem Fall Fluß haben.

1. The Big Wednesday (1978, John Milius)

Der großartigste Film über das Meer, Surfen und Freundschaft von einem der großartigsten Autoren/Regisseure, die es gibt: John Milius. Was würd ich drum geben, den mal auf einer großen Leinwand zu sehen.

2. Jaws/Der weiße Hai (1975, Steven Spielberg)

Okay, zum weißen Hai muss ich ja wohl nichts sagen, oder?

3. Point Break (1995, Kathryn Bigelow)

FBI-Bubi Johnny Utah jagt Surfer & Bankräuber Patrick Swayze. Ich werde niemals freiwillig das Remake anschauen.

4. Poseidon Inferno/The Poseidon Adventure (1972, Ronald Neame, Irwin Allen)

Priester Gene Hackman versucht eine Gruppe von Überlebenden aus einem gekenterten Kreuzfahrtschiff zu retten. Einer der besten Streifen aus der Katastrophenfilm-Welle der Siebziger. Das Remake von 2006 kann man getrost in die Tonne kloppen.

5. The Abyss (1989, James Cameron)

James Cameron’s ultimativer Unterwasserfilm, für den das Genie mal eben eine Möglichkeit erfunden hat Originalton unter Wasser aufzunehmen. Lief im Kino in einer gekürzten Fassung, die vieles im Unklaren ließ. Inzwischen gibt es zum Glück längst den Director’s Cut, in dem die Rahmenstory, um die Außerirdischen, die in unserem Meer leben, vernünftig erklärt wird. Ein ganz großer, faszinierender Film.

6. Deep Blue Sea (1999, Renny Harlin)

Wissenschaftler doktoren auf einer schwimmenden Forschungsstation mitten im Ozean an der DNS von Haien herum. Dann kommt ein Sturm auf und die Kacke ist am Dampfen. Denn die Haie sind jetzt schneller. Und schlauer. Und haben Hunger. Großer, nasser Metzelspaß von Renny Harlin.

7. White Squall (1996, Ridley Scott)

Jeff Bridges als Kapitän eines Schulschiffs, das in einem Sturm (White Squall) sinkt, wofür Bridges sich anschließend vor Gericht verantworten muss. Eine Art Dead Poets Society auf dem Meer. Lange nicht so gut. Aber ich mag den Film trotzdem.

8. Aus der Mitte entspringt ein Fluss (1992, Robert Redford)

Okay, Flüsse statt Meer. Robert Redfords Film über Familie, Erwachsenwerden und Fliegenfischen im Montana der Zwanziger Jahre. Basiert auf der Novelle von Norman McLean. Beide enden mit diesem faszinierenden Text: “Eventually, all things merge into one, and a river runs through it. The river was cut by the world’s great flood and runs over rocks from the basement of time. On some of the rocks are timeless raindrops. Under the rocks are the words, and some of the words are theirs.
I am haunted by waters.”

9. Betty Blue – 37 Grad am Morgen (1986, Jean Jaques Beineix)

Streng genommen spielt nur der Anfang dieser tragikomischen Liebesgeschichte nach dem Roman von Philippe Djian am Meer, aber ich assoziiere ihn immer mit Meer und Sommer. Großer Film, großer Roman von einem großen Schriftsteller.

10. Castaway (2001, Robert Zemeckis)

Tom Hanks gestrandet auf einer einsamen Insel irgendwo im pazifischen Ozean. Sein einziger Freund: ein gammeliger Football. Manchmal braucht man nicht mehr um einen tollen Film zu machen.

Filme als Inspiration für „Es war einmal in Deutschland“

Veröffentlicht 18. Mai 2017 in Ebook, Es war einmal in Deutschland, Filme, Roman

Mein Roman Es war einmal in Deutschland hat vor vielen Jahren zunächst als Drehbuch das Licht der Welt erblickt. Die Idee entstand aus einem Gedanken: Hängt ihn höher im zweiten Weltkrieg. Wer Hängt ihn höher oder Hang‘ em high nicht kennt, das ist ein Western von 1968, in dem Clint Eastwood aufgehängt wird, es überlebt und sich nun an den Verantwortlichen rächen will.

Heinrich, der Protagonist von „Es war einmal…“, der gleich zu Anfang gehängt wird und überlebt, will sich zwar nicht rächen, aber das Schicksal lässt ihn ein zweites Mal auf seine Peiniger treffen. Das Drehbuch entstand zwischen 2002 und 2005, ging durch ein paar Entwicklungsstufen, darunter auch mit einem Historiker, der half diesem „Western im zweiten Weltkrieg“ einen authentischen Anstrich zu verpassen. Ansonsten waren wie bei allen Projekten andere Filme und Bücher Quellen der Inspiration.

Hier liste ich mal fünf Filme auf, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben:

Komm und Sieh/Come and See (Sowjetunion 1986, Elem Klimov)

Lange bevor ich die Idee zu „Es war einmal…“ hatte, kam ich eines Abends vom Biertrinken mit Freunden nach Hause und surfte vorm Schlafengehen noch ein bisschen durchs Fernsehen. Auf ARTE blieb ich hängen. Ich war mitten in eine Szene aus Komm und Sieh geraten, in der deutsche Soldaten ein russisches Dorf überfallen und die Bewohner massakrieren. Selten zuvor und ganz sicher nicht in einem amerikanischen oder europäischen Film hatte ich eine derart schmutzig-grausame und realistisch anmutende Szene gesehen. Erst ein oder zwei Jahre später habe ich dann den kompletten real-surrealen Film gesehen, und ich kann jedem, der sich für das Thema interessiert nur empfehlen das auch zu tun. Inspiration für „Es war einmal…“ war für mich die Darstellung der deutschen Soldaten, die manchmal wirkten wie Road Warriors aus einem Mad Max Film. Immer wenn ich über meine blutrünstige SS-Truppe schrieb, hatte ich Bilder wie diese vor Augen.

The Big Red One (USA 1980, Samuel Fuller)

Ein Film, den man in seiner ursprünglichen Version erst seit 2004 sehen kann. Für „kleines Geld“ von Sam Fuller nach eigenem Drehbuch, basierend auf seinem Roman und seinen eigenen Erlebnissen als Dog Face im zweiten Weltkrieg inszeniert. Ein Film über eine kleine Gruppe von Scharfschützen (darunter Luke Skywalker aka Mark Hamill) angeführt von Sergeant Lee Marvin, die man von der Landung in Sizilien bis zur Befreiung eines Konzentrationslagers in Deutschland begleitet.

Man sieht dem Film das vergleichsweise geringe Budget stellenweise an, aber das tut ihm als einen der ganz großen Kriegsfilme keinen Abbruch. Szenen wie die, in der Lee Marvin ein im KZ fast zu Tode gehungertes Kind, solange auf den Schultern trägt, bis es gestorben ist, bringen mich fast noch zum Heulen, während ich das hier schreibe. Auf der anderen Seite hat der Film seines Themas zum Trotz immer wieder eine erstaunliche Leichtigkeit, wenn er die absurden Momente des Krieges beschreibt: die Soldaten als Geburtshelfer oder ein weggeschossener Hoden, der es als Hommage direkt in meinen Roman geschafft hat.

 

Steiner – Das eiserne Kreuz/Iron Cross (Deutschland/England/Jugoslawien 1977, Sam Peckinpah)

Ein Film von Sam Peckinpah (The Wild Bunch) über eine Gruppe Wehrmachtssoldaten im Russlandfeldzug, basierend auf dem Roman Das geduldige Fleisch des deutschen Schriftstellers Willi Heinrich.  James Coburn spielt den titelgebenden Feldwebel Steiner und Maximilian Schell seinen Widersacher, Hauptmann Stransky, einen preußischen Aristokraten. Wir erleben die Grausamkeit des Krieges aus Sicht der deutschen Soldaten, denen es nicht ums Vaterland, sondern ums pure Überleben geht, und gleichzeitig die Konflikte zwischen dem „einfachen Mann“ Steiner und dem Aristokraten Stransky.

 

Die Brücke von Arnheim/A Bridge Too Far (England/USA 1977, Richard Attenborough)

Richard Attenboroughs Großproduktion über die gescheiterte Operation Market Garden der Alliierten, mit denen sie versuchten einen möglichst schnellen Weg ins Herz Deutschlands, das Ruhrgebiet, zu finden. Basierend auf dem Sachbuch von Cornelius Ryan. Erzählt aus Sicht von einem guten Dutzend Charaktere, dargestellt von Sean Connery, Robert Redford, Sean Connery, Gene Hackman, Liv Ullman, Hardy Krüger, James Caan und vielen anderen. Großes, klassisches Hollywood-Kino über den Preis des Krieges.

 

Die Hölle von Korea/The Steel Helmet (USA, 1953, Samuel Fuller)

Sam Fullers Low Budget Film über den Korea-Krieg, in nur zehn Tagen im Griffith Park in Los Angeles gedreht. Die Handlung dreht sich um eine kleine Truppe von US-Soldaten, die sich in einem Buddha-Tempel gegen eine koreanische Übermacht verteidigen muss. Wie später in The Big Red One beweist Fuller auch hier, warum ihn Regisseure wie Martin Scorsese als großen Meister schätzen. Eine simple, emotionale Story, großartig inszeniert, und man spürt, dass Fuller weiß, wovon er erzählt. Wie in den meisten der besten Kriegsfilme geht es nicht um Politik, sondern um Menschen.

 

Die Brücke (Deutschland 1959, Bernhard Wicki)

Deutscher Klassiker basierend auf dem gleichnamigen Roman über eine Gruppe von Schuljungen, die an einer Brücke einen sinnlosen letzten Kampf gegen die anrückenden Amerikaner führen sollen und fast alle einen ebenso sinnlosen Tod sterben. Ich habe den Film in meiner Schulzeit gesehen und damals hat er mich sehr mitgenommen. Die Szene, in der ein amerikanischer Soldat den Jungs sagt, sie sollen nicht kämpfen, sondern nach Hause gehen, nur um aus Angst von ihnen niedergeschossen zu werden, war nur eine von vielen mit enormer emotionaler Wucht.

 

William Goldman: His nut felt on fire

Veröffentlicht 3. April 2017 in Allgemein, Drehbuch, Filme, Roman

Bevor ich wusste, was für eine lebende Legende (schon damals) William Goldman in der Drehbuch-Branche ist, blätterte ich als Schüler in einer Buchhandlung durch einen seiner Romane. Der hieß HEAT und damals las ich, was man ja eigentlich nicht machen sollte, die letzte Seite.

Die hab nie vergessen. Was für eine letzte Seite. Da beschreibt einer in einem einzigen kurzen Absatz einen ganzen Action-Showdown, ohne ins Detail zu gehen.

Fand ich unglaublich faszinierend und beeindruckend. Damals wie heute. Here you go:

Und obwohl mich diese wenigen Sätze nie losgelassen haben, kam ich doch erst fast dreißig Jahre später dazu, den Roman zu lesen. Lohnt sich. Wie sich eigentlich alles von William Goldman zu lesen lohnt, seien es Drehbücher, Essays oder Romane. Manche Leute sind eben zu Recht Legenden.

PS: Der Roman HEAT wurde übrigens zweimal verfilmt, einmal mit Burt Reynolds (1996, Dick Richards, Jerry Jameson) und ein zweites Mal als WILD CARD mit Jason Statham (2015, Simon West). Letzterer basierte auf demselben, dreißig Jahre alten Drehbuch, das Goldman selbst schrieb. Keiner der Filme genießt einen guten Ruf, allerdings habe ich beide selbst noch nicht gesehen.

Berlin liegt am Meer, zumindest in Thailand

Veröffentlicht 20. März 2017 in Filme, TV

2007 habe ich für die Janus Film Produktion/Pro Sieben eine romantische Komödie namens „29 und noch Jungfrau“ geschrieben. Der Titel sagt eigentlich alles. Es geht um Vic, eine neunundzwanzigjährige Jungfrau, die, statt wie gewünscht bei der Musikredaktion der Bravo, einen Job beim Dr.Sommer Team ergattert. Plötzlich muss Vic Ratschläge zu einem Thema geben, mit dem sie sich nicht wirklich auskennt. Also setzt sie alles dran ihre Jungfräulichkeit endlich zu verlieren. Klar, dass das einfacher gesagt als getan ist. Der Film wurde (unter der Regie von Holger Haase) in Berlin gedreht und spielt auch in der Hauptstadt.

 

Und während „29 und noch Jungfrau“ wie die meisten TV-Movies nie auf DVD erschienen ist, konnte man ihn kurz nach der Ausstrahlung im deutschen TV bei einem Thailänder Online Store als (bestimmt nicht legale) „Video CD“ erwerben. Scheinbar um den Film den an gutes Wetter gewöhnten Thailändern schmackhaft zu machen, wurde kurzerhand ein Cover gebastelt, in dem es die Hauptfiguren Vic (Anna Kubin) und Nik (Oliver Bootz) an einen photogeshoppten Strand verschlägt. Eine der Nebendarstellerinnen (Vera Baranyai) schaffte es sogar vor die Namen der Hauptdarsteller, wahrscheinlich weil sie/ihr Character in der Rollenauflistung der Imdb an vorderster Stelle steht.

Die Schwerter der Autoren

Veröffentlicht 7. März 2017 in Filme, TV

Bevor der Movie-Zweiteiler „Das Blut der Templer“ 2004 in der Glotze lief, gab es damals eine kleine Kino-Premiere in München.

An dem Abend bekamen die Autoren sogar etwas geschenkt (wir werden nicht immer Scheiße behandelt).

Und zwar Schwerter aus dem Film.

Schöne Sache. Guckta hier:

Nur mussten wir die Dinger ja wieder nach Hause transportieren. In meinem Fall mit dem Zug von München nach Hagen. Das gute Stück war in ein lila (!) Samttuch gewickelt, nur der Griff guckte oben raus.  Jedenfalls, als ich losfuhr.

Von Drehbüchern, Wolfgang Hohlbein und Comics

Veröffentlicht 1. März 2017 in Drehbuch, Filme, TV

Mein Freund und gelegentlicher Co-Autor Kai Uwe Hasenheit ist der Mann für große Ideen. Ende der Neunziger hatte er eine, die sich um die bevorstehende Jahrhundertwende drehte.

Das war die Geburtsstunde von Das Blut der Templer.

Ursprünglich hatte Kai die Geschichte mit einem anderen gemeinsamen Freund, Christian Zübert (Lammbock und das in diesem Monat ins Kino kommende Sequel Lommbock), geschrieben, aber als das Projekt schließlich bei einem Produzenten landete, der es realisieren konnte, hatte Christian keine Zeit mehr und ich durfte miteinsteigen. Das war die Zeit, als ein Sender wie Pro Sieben noch einigermaßen aufwendige Genre-Movies für die Glotze produzierte (Ratten, Das Jesus-Video u.a).

Ich wünschte, das würden sie heute noch tun.

Wer Drehbücher schreiben will…

Veröffentlicht 8. November 2016 in Drehbuch, Filme, Kino, Schreiben

Der kann sich eins oder mehrere der unzähligen How-to-do-Bücher besorgen, die sich inzwischen gegenseitig von den Bücherregalen schubsen (und in den meisten Fällen von Leuten geschrieben werden, die selbst nicht einen produzierten Film vorzuweisen haben).

Oder er kann Drehbücher lesen. Echte Drehbücher von echten Drehbuchautoren.

Ich hab kürzlich bei meinen Eltern zwei Drehbücher vom großen Shane Black („The Nice Guys“ gerade auf Blu-Ray/Digital raus) wiedergefunden, die mehr oder weniger meine Bibel waren, als ich 1994 mein allererstes Drehbuch „Cosmo & Sherin“ geschrieben hab. Was unweigerlich dazu führte, dass es ein ziemlich dreister Abklatsch von beidem war.

Allein gegen die Zeit – Der Film

Veröffentlicht 20. September 2016 in Allgemein, Filme, Kino

Allein gegen die Zeit – Der Film. Basierend auf der gleichnamigen KIKA-Serie.

Da durfte ich neben Ceylan Yildirim, Michael Demuth und Johannes W. Betz auch dran rumschreiben.

Ich weiß nicht, wie viel von mir es in den fertigen Film geschafft hat, aber die „Pimmelnase“ ist jedenfalls im Trailer.

Kinostart ist der 27.10.16. Regie führte Christian Theede.