Interviews mit Drehbuchautoren 10: Roland Heep

Veröffentlicht 15. Januar 2018 in Drehbuch, Interview, Schreiben

Heute lässt Roland Heep die Hosen runter.

Roland und ich haben Anfang der Neunziger Theater-Film-Fernsehen in Bochum studiert, ohne dabei persönlich in Kontakt zu kommen. Tatsächlich habe ich aber eins seiner von ihm im Interview erwähnten studentischen Seminare besucht. Wenn ich mich recht erinnere, ging es dabei um das Hollywood-Kino der Achtziger. Die studentischen Seminare von Roland und Co. waren ein Highlight im ansonsten eher drögen Seminar-Angebot a la „Der iranische Film nach 1940“.

Später, als wir beide für die Serie Der Clown schrieben, habe ich dann mal einen Tag lang mit Roland und seinen Kollegen zusammengesessen, um über einen Clown-Kinofilm zu brainstormen, der eine Herzensangelegenheit unseres Produzenten war. Den Kinofilm gab es später dann tatsächlich mal, allerdings hatten weder Roland noch ich damit zu tun.

Ein paar Jahre später haben wir für mehrere Tage zusammen im Writers Room einer Serie über internationale Schatzsucher gesessen. Aber wie bereits im Vorwort eines anderen Interviews erwähnt, erlebten diese Schatzsucher ihre Abenteuer leider nur auf dem Papier.

Roland und Kollege Gerry Streberg hosten übrigens einen tollen Podcast namens Viele Wege führen nach Om, der sich mit den großen Fragen des Lebens befasst. Was das heißt? Hört am besten selbst rein. Lohnt sich.

Jetzt aber zu Rolands Interview. Here you go:

Wie bist du zum Drehbuchschreiben gekommen? Studium? Zufall? Früh? Spät? Weil du nix Richtiges gelernt hast? Erzähl mal von deinem Werdegang.

Nachdem ich als Kind in kurzer Folge The Empire Strikes Back, Raiders of the Lost Ark, und E.T. im Kino gesehen habe, wusste ich, ich will Filmemacher werden. Zuerst natürlich Regisseur, aber als mir klar wurde, dass es Leute gibt, die sich gemütlich zu Hause im Warmen die Geschichten ausdenken und nicht wie der Rest des Teams Nachts im Regen frieren müssen, habe ich lieber angefangen zu schreiben.

Nach dem Abi habe ich Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften an der Uni Bochum studiert. Da hätte man zwar auch was über Andrej Tarkowsky oder das südbalinesische Tanztheater im Experimentalfilm der 20er Jahre lernen können, aber wir hatten zum Glück einen fantastischen Dozenten, der es uns ermöglicht hat ein etwas interessanteres Alternativprogramm anzubieten. Also haben diverse Kommilitonen Seminare zum Thema, Monty Python, Star Trek, Splatterfilme oder Bruce Lee gegeben. Ich selber habe ein Semester lang über die Filme von Steven Spielberg doziert.

Während der Zeit hab ich als Filmjournalist und Co-Autor diverser Begleitbücher über The X-Files zum ersten Mal mit meinen Texten Geld verdient.

Nach der Zwischenprüfung wollte ich eigentlich nur ein Praktikum bei der RTL Soap Unter Uns machen. Aber damals in den 90ern gab es großen Bedarf an Autoren und Kollege Koopmann hat mich direkt als Storyliner angeheuert. In den folgenden drei Jahren hab ich dann alle Grundlagen des Fernsehschreibens und Produzierens gelernt und wurde dafür auch noch äußerst gut bezahlt. Um es mit dem Titel meiner Lieblingsfolge Star Trek – TNG zu sagen: „The best of both worlds.“ (An die Uni bin ich selbstverständlich nie mehr zurück.)

1999 haben Frank und ich dann Kontakt zu Action Concept und der Columbia bekommen und parallel unsere ersten „richtigen“ Drehbücher für die ARD Snowboarder Serie Powder Park und die RTL Action Serie Der Clown geschrieben. Da haben wir ja auch dich kennengelernt.

Kurz danach haben Frank und ich mit Jeanet Pfitzer und Jörg Alberts die Autorengruppe „mondo23“ gegründet, die bis heute besteht.

 Was war das erste Drehbuch, das du geschrieben hast?

Ein Lethal Weapon rip-off Action Thriller. Mit 16.

Was war dein erstes Drehbuch, für das du bezahlt wurdest?

Bei Unter Uns wurde ich zwar schon für’s Folgen schreiben bezahlt, streng genommen waren das aber „nur“ Treatments, die Dialoge haben andere geschrieben. Mein erstes richtiges Drehbuch war eine Folge für Powder Park.

 Was war dein erstes verfilmtes Drehbuch?

Eben diese Folge von Powder Park.

Interviews mit Drehbuchautoren 9: USCHI MÜLLER

Veröffentlicht 8. Januar 2018 in Drehbuch, Interview, Schreiben

Interview Nummer Neun. Heute mit Uschi Müller (Hinter Gittern, Solo Köln).

Bis der Starbucks in unserer gemeinsamen Hood dichtmachte sind Uschi und ich uns dort gelegentlich morgens über den Weg gelaufen und haben Erlebnisse von der Front ausgetauscht. Jetzt brauchen wir einen neuen Laden (obwohl der verdammte Starbucks schon lange auf dem absteigenden Ast war).

Wie bist du zum Drehbuchschreiben gekommen? Studium? Zufall? Früh? Spät? Weil du nix Richtiges gelernt hast? Erzähl mal von deinem Werdegang.

Geschrieben habe ich schon mit elf. Aber am Niederrhein war das Berufsbild „Drehbuchautor“ noch nicht so verbreitet in den 70er Jahren. Also wurde ich Lehrerin. Fast jedenfalls. Gerettet hat mich ein Schreibmaschinenkurs. Damit konnte ich schon mal Produktionssekretärin werden. Damals, Mitte der 80er, der klassische Branchen-Einstieg für Frauen. Aber später auch ein genialer Einstieg fürs Schreiben. Richtig gebracht hat das aber erst in den frühen 90ern was. Als die Privaten mit GZSZ und die ARD mit Verbotene Liebe auf den Markt kamen. Die Öffentlich-Rechtlichen hatten bis dahin ja nur Herbert Reinecker, der alles schrieb. Zumindest gefühlt.

Was war das erste Drehbuch, das du geschrieben hast?

Die Adaption einer Folge von Married With Children. 1992 versuchte RTL sich mal mit einer deutschen Version davon: Hilfe, meine Familie spinnt. Im Original ging’s um Elvis Presley, in der Fälschung um Roy Black. „Ganz in Schweiß“ hieß es. Es wurde nie gedreht, weil es zu frech war. Und Roy Black tot. Aber die Chefautoren haben mir ein Karaoke-Ständchen gesungen.

Was war dein erstes Drehbuch, für das du bezahlt wurdest?

Für das obige Buch leider nicht. Dann war ich nach diversen Shadows und Bearbeitungen von Sitcoms jahrelang erstmal Storyliner, Story Editor und Chefautorin bei zahlreichen Dailys und Telenovelas wie die oben erwähnten. Das wurde sehr gut bezahlt. Das erste, ganz und gar eigene bezahlte Buch aber war für Hinter Gittern. Da war ich insgesamt fünf Jahre. Eine großartige Zeit, in der ich sehr viel gelernt habe. Ich glaube, ich könnte aus jedem deutschen Gefängnis ausbrechen.

Was war dein erstes verfilmtes Drehbuch?

Eben dieses.

Interviews mit Drehbuchautoren 8: DAVID UNGUREIT

Veröffentlicht 3. Januar 2018 in Drehbuch, Interview, Schreiben

Frohes Neues!

In diesem Sinne: Neues Interview – heute: David Ungureit (Die Anrheiner, Danni Lowinski).

Als ich David das letzte Mal gesehen habe, hatte ich hinterher einen Kater, aber das will ich ihm mal nicht ankreiden. Es war die Schuld von Bene Gollhardt (Interview Nummer 4), denn der hatte Geburtstag.

Wie bist du zum Drehbuchschreiben gekommen? Studium? Zufall? Früh? Spät? Weil du nix Richtiges gelernt hast? Erzähl mal von deinem Werdegang.

Eigentlich wollte ich Musiker werden, hatte eine Band und habe, eher so nebenbei, studiert. Leider wurde meine Liebe zur Musik von der Musik nicht im gleichen Maße erwidert, und mein Studium führte auch nicht ins Berufsleben. Irgendwann zeigte mir ein Freund ein Drehbuch einer deutschen Krimiserie, für die er als Schauspieler engagiert war. In unserer jugendlichen Arroganz sagten wir: „Wie grottig. Das können wir besser“ und beschlossen, DEN Film zu schreiben, den wir selber gerne im Kino sehen wollten. Es wurde ein wüstes Drehbuch zu einem unbezahlbaren Science-Fiction-Film, der folgerichtig nie gemacht wurde. Allerdings konnten wir einige Aufmerksamkeit erregen, denn solche Drehbücher wurden (und werden) wohl eher selten als Visitenkarten von Neulingen vorgelegt. Eine Art unfreiwilliger „USP“, der zu ersten Aufträgen führte. Der Anfang war gemacht.

Was war das erste Drehbuch, das du geschrieben hast?

Weil das oben genannte Science-Fiction-Buch so lange dauerte, wurde es überholt von einem Kurzfilmdrehbuch, das unter dem Titel Willkommen im Team tatsächlich auch verfilmt wurde.

Was war dein erstes Drehbuch, für das du bezahlt wurdest?

In den ersten beiden Jahren wurde ich (abgesehen von einer Drehbuchförderung) ausschließlich für Exposés und Konzepte bezahlt. Als ich mich daran fast schon gewöhnt hatte, sollte ein Konzept, an dem ich mitgeschrieben hatte, dann realisiert werden: Die WDR-Serie Die Anrheiner, für die ich dann über 40 Folgen schrieb. Folge 1 war wohl mein erstes Buch, für das ich Kohle bekam.

Was war dein erstes verfilmtes Drehbuch?

Siehe oben: Willkommen im Team.

Interviews mit Drehbuchautoren 7: ALEXANDER LINDH

Veröffentlicht 18. Dezember 2017 in Drehbuch, Interview, Schreiben

Interview Nummer Sieben. Heute mit Alexander Lindh (Armans Geheimnis).

Wir sind uns (noch) nicht persönlich über den Weg gelaufen, sondern auf Twitter begegnet, und Alexander hat netterweise sofort zugesagt bei den Interviews mitzumachen.

Also ohne weiteres Gefasel zu Alexanders Antworten:

Wie bist du zum Drehbuchschreiben gekommen? Studium? Zufall? Früh? Spät? Weil du nix Richtiges gelernt hast? Erzähl mal von deinem Werdegang.

Ich wusste schon als Teenager, dass ich gerne „irgendwas mit Schreiben“ machen wollte. Ich habe dann nach dem Abi vom Institut für Kreatives Schreiben an der Uni Hildesheim erfahren und dort drei Jahre studiert. In der Zeit begann so langsam der Serienhype und ich hatte ein paar aufmerksame Dozentinnen und Dozenten, die sich früh mit dem seriellen Erzählen beschäftigt haben, und dazu Seminare angeboten haben.

Einer davon war Joachim Friedmann, ein Autor, der neben seiner Lehrtätigkeit unter anderem für Gute Zeiten Schlechte Zeiten arbeitete und uns erzählte, dass man in Deutschland in der Soap nicht wirklich anders arbeitet, als bei den Sopranos. Ich habe Joachim gefragt, ob ich im Story-Team von GZSZ mal ein Praktikum machen könnte. Aus dem Praktikum wurden zwei Jahre als Storyliner, Editor und Dialog-Autor. Irgendwann reichte es mir und ich bewarb mich für das Serial-Eyes-Programm an der DFFB, ein Zusatzstudium für junge Serienautoren und Autorinnen. Seit dem arbeite ich als freier Drehbuchautor.

Was war das erste Drehbuch, das du geschrieben hast?

In der Uni habe ich für ein Seminar einen Kurzfilm über einen Mann geschrieben, der nach seinem Tod wieder in der Gebärmutter seiner Mutter aufwacht.

Was war dein erstes Drehbuch, für das du bezahlt wurdest?

Ein Treatment für GZSZ.

Was war dein erstes verfilmtes Drehbuch?

Siehe oben.

Interviews mit Drehbuchautoren 6: KLAUS ROHNE

Veröffentlicht 11. Dezember 2017 in Drehbuch, Interview, Schreiben

Interview Nummer 6: Heute KLAUS ROHNE. Das erste und bislang letzte Mal habe ich Klaus auf einer Berghütte im Zillertal gesehen, wo unsere damalige gemeinsame Agentin eine grandiose Party für ihre Klienten geschmissen hat. Wenn er nicht selbst gerade auf irgendwelchen Bergen rumwandert, ist Klaus ein vielbeschäftigter Serienautor (Hauptstadtrevier, Betty Diagnose und noch so viel mehr).

Wie bist du zum Drehbuchschreiben gekommen? Studium? Zufall? Früh? Spät? Weil du nix Richtiges gelernt hast? Erzähl mal von deinem Werdegang.

Das ist ein bisschen filmreif. Ich habe ursprünglich BWL studiert und in verschiedenen Krawattenträger-Jobs gearbeitet, bis ich davon irgendwann die Schnauze voll hatte und ins Blaue hinein gekündigt habe. Ich wusste nicht, was ich machen wollte, nur, was ich nicht mehr wollte. Am Stammtisch in meiner Kneipe saß damals ein Typ, der immer Drehbücher gelesen hat (und Headwriter für eine neue Serie war). Ich fand das interessant, hab meinen Senf dazugegeben und irgendwann meinte der, ich soll doch mal was schreiben. Ohne die geringste Ahnung hab ich dann meine erste Szene geschrieben – die drehten gerade eine Sitcom für Pro7: Die Viersteins. Eine Woche später wollte mich der Produzent kennenlernen…..

Was war das erste Drehbuch, das du geschrieben hast?

Eine Episode für eben diese Sitcom. Ich hab sie schön dramatisch „Raven“ genannt. Daraus wurde dann „Kurti“.

Was war dein erstes Drehbuch, für das du bezahlt wurdest?

Genau das.

Was war dein erstes verfilmtes Drehbuch?

Und es wurde auch verfilmt und ausgestrahlt. Anfängerglück oder so.

Interviews mit Drehbuchautoren 5: ANDREAS FUHRMANN

Veröffentlicht 4. Dezember 2017 in Drehbuch, Interview, Schreiben

Das heutige Interview ist mit Andreas Fuhrmann (GZSZ, Hinter Gittern, Neighbours und und und …), den ich bei der Entwicklung eines Serienprojekts kennengelernt habe, einer Comedy über Witwen und Callboys (in unserem Writers Room flog beim Brainstorming ein Gummipimmel von Autor zu Autor – don’t ask).

Die Serie war so gut wie gedreht, wir hatten das berühmte Greenlight, wir hatten Bücher, es wurden Locations gesucht – und dann plötzlich: Ende im Gelände. Warum weiß keiner so genau, aber das „Warum“ spielt bei diesen Dingen eigentlich auch keine Rolle, denn es macht selten Sinn.

Also, hier kommt Andreas – so trocken wie ein Gin auf Eis:

Wie bist du zum Drehbuchschreiben gekommen? Studium? Zufall? Früh? Spät? Weil du nix Richtiges gelernt hast? Erzähl mal von deinem Werdegang.

Ich habe immer schon für mich Sachen geschrieben, früher eher journalistisch. Als ich nach meiner LEHRER-Ausbildung (2 Staatsexamina!!!!!) an meiner Doktorarbeit über deutsche Missionsgeschichte (kein Witz) saß und absolut pleite war, sagte mir ein Freund (Oli Hein): „Mach doch Soap – du redest doch ohnehin jeden Tag so viel Scheiß. Das kannst du dir doch auch bezahlen lassen.“ (Jedes Wort davon ist wahr).

Der Rest ist Geschichte …

Was war das erste Drehbuch, das du geschrieben hast?

Gute Zeiten – Schlechte Zeiten

Was war dein erstes Drehbuch, für das du bezahlt wurdest?

Gute Zeiten – Schlechte Zeiten

Was war dein erstes verfilmtes Drehbuch?

Gute Zeiten – Schlechte Zeiten

Interviews mit Drehbuchautoren 4: BENEDIKT GOLLHARDT

Veröffentlicht 27. November 2017 in Drehbuch, Interview, Schreiben

Interview Nummer 4. Heute mit Benedikt Gollhardt (Edel & Starck, Danni Lowinski).

Mit Bene (und Christian Zübert und Kai Uwe Hasenheit) habe ich Ende der Neunziger, als Christian und ich bei Action Concept für die Serie Der Clown geschrieben haben, jeden Mittwochabend in einer Kölner Kneipe namens Dos Equis gehockt, und gemeinsam unsere gesammelten Drehbuchanmerkungen im Alkohol ertränkt. Zuletzt haben wir Benes Geburtstag erfolgreich mit Cocktails und Kölsch begossen.

Aber lassen wir den Alkohol und wenden uns dem Schreiben zu:

Wie bist du zum Drehbuchschreiben gekommen? Studium? Zufall? Früh? Spät? Weil du nix Richtiges gelernt hast? Erzähl mal von deinem Werdegang.

Nach dem Abi arbeitete ich als freier Journalist und interessierte mich schon für Film. Als ein Freund mich fragte, ob ich nicht eine Plotidee für Cobra 11 hätte, schrieb ich was auf und war im Geschäft. Die Neunziger waren ein El Dorado für Anfänger wie mich, es wurde massenhaft produziert, die Qualität war eher mäßig, jeder durfte mal ran. Blöd nur, dass man später das Drehbuchschreiben lernen musste.

Was war das erste Drehbuch, das du geschrieben hast?

Kurz nach der Maueröffnung: Ein Road-Movie über ein Mädchen, das ausreißt und von Köln nach Rügen quer durchs vereinte Deutschland trampt. Wurde leider nie verfilmt.

Was war dein erstes Drehbuch, für das du bezahlt wurdest?

In den frühen Neunzigern bekam ich Drehbuchförderung der Filmstiftung NRW für eine Romantische Komödie. Ich arbeitete damals zusammen mit einem begabten, aber ketterauchenden Co-Autor, der nur nachts schreiben konnte. Meine frisch renovierte Wohnung roch danach nicht mehr frisch renoviert. Aus dem Film wurde nichts, aber ich lernte, dass man in einer Tankstelle alles zum Leben Notwendige kaufen kann.

Was war dein erstes verfilmtes Drehbuch?

Eine Folge für Alarm für Cobra 11, inzwischen verschollen auf einem alten Rechner. Ich hab verdrängt, worum es ging. Woran ich mich gut erinnere: Damals bekam man noch Anmerkungen per Fax, die Papierrollen waren kilometerlang.

Interviews mit Drehbuchautoren 3: DIRK AHNER

Veröffentlicht 20. November 2017 in Drehbuch, Interview, Schreiben

Und hier das dritte Interview. Diesmal mit Dirk Ahner

Dirks neuen Kinofilm Simpel (Regie: Markus Goller), über zwei erwachsene Brüder, von denen einer geistig auf dem Stand eines Dreijährigen ist, kann man momentan im Kino sehen, sein nächster, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer unter der Regie von Dennis Gansel, läuft im März 2018 an.

Vor ein paar Jahren haben Dirk und ich (und ein paar andere) an einem Serienprojekt gearbeitet, das – Trommelwirbel – nie gemacht wurde. Erkennt Ihr ein Muster?

Anyway, Dirk schreibt nicht nur Filme, sondern auch Kinderbücher (Die Laden der Träume Reihe) und hat sich zwischendurch die Zeit genommen ein paar Fragen zu beantworten.

Wie bist du zum Drehbuchschreiben gekommen? Studium? Zufall? Früh? Spät? Weil du nix Richtiges gelernt hast? Erzähl mal von deinem Werdegang.

Eine Mischung von allem. Ich war 18, hatte den Kopf voller Geschichten und wollte unbedingt auf eine Filmhochschule, um Regie zu studieren. Eine Ablehnung hat die nächste gejagt, bis ich völlig verunsichert war. In meiner Ratlosigkeit habe ich mich für ein „normales“ Studium entschieden und das getan, was ohne viel finanziellen Aufwand möglich war: Schreiben.

Was war das erste Drehbuch, das du geschrieben hast?

Das erste Langfilm-Projekt hieß Z und drehte sich um einen Serienkiller. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung mehr, worum es in der Geschichte ging.

Was war dein erstes Drehbuch, für das du bezahlt wurdest?

Das war 1997 7 Days to live, ein Horrorfilm (Regie: Sebastian Niemann)

Was war dein erstes verfilmtes Drehbuch?

Auch 7 Days to live.

Interviews mit Drehbuchautoren 2: SIMON X. ROST

Veröffentlicht 13. November 2017 in Drehbuch, Interview, Schreiben

So, Freunde. Hier ist das zweite Drehbuchautoren-Interview. Diesmal mit Simon X. Rost, den ich bei der Arbeit für eine englischsprachige Serie über moderne Schatzsucher kennengelernt habe.

Die Serie wurde – na? – nie gemacht. Aber wir konnten jeden Abend nach der Arbeit in irgendein Münchener Brauhaus gehen, das war auch nicht übel.

Simon ist ein umtriebiger Kerl, er schreibt Drehbücher (Bermuda Dreieck Nordsee, Helden), Romane (Der fliegende Mönch, Der Mann, der niemals schlief, Wie ein Falke im Sturm), führt Regie (Nina Undercover) – und schreibt  PLAYMOBIL-Hörspiele, was ihn eindeutig zum coolsten Motherfucker macht.

Wie bist du zum Drehbuchschreiben gekommen? Studium? Zufall? Früh? Spät? Weil du nix Richtiges gelernt hast? Erzähl mal von deinem Werdegang.

Bei mir war ziemlich schnell klar, dass das mit Naturwissenschaften zu nichts führt. Frühe Leidenschaft für Bücher, Filme, Comics, Hörspiele und Malerei. Ich hab mich nach dem Abi für Grafik-Design an allen möglichen Unis und eben auch für Film in Ludwigsburg beworben. Das hat geklappt. Dort habe ich dann Regie studiert – und mir nebenher das Drehbuchschreiben angeeignet. Nach der Aka lief beides – bis heute – immer parallel. Zunächst viel Werbung, im Laufe der Zeit kamen Spielfilme, Hörspiele und Romane dazu.

Was war das erste Drehbuch, das du geschrieben hast?

Das für meine Regieübung im ersten Jahr an der Filmakademie. Eine Geschichte über einen Deserteur.

Was war dein erstes Drehbuch, für das du bezahlt wurdest?

Ich habe 1997 einen Kurzfilm an den saarländischen Rundfunk verkauft, den ich geschrieben und gedreht habe. Also war das auch irgendwie für Drehbuch, oder zählt das nicht? Aber ich schätze, die erste Kohle für ein richtiges Drehbuch war für Spielfilm-Zuspieler, die ich für eine Sondersendung über die Sonnenfinsternis 1999 geschrieben habe. Zählt auch nicht? Okay. Dann hätte ich noch eine Förderung für einen nie verfilmten Animationsstoff anzubieten (immerhin bezahlt), On-top- Zahlungen für Regiefassungen von Spielfilmen, die ich gedreht aber nicht selber geschrieben habe, und eine Serienfolge für eine Kinder-Krimiserie beim SWR.

Was war dein erstes verfilmtes Drehbuch?

Siehe oben – dank Filmhochschule konnte ich meine ersten Bücher selber verfilmen.

Interviews mit Drehbuchautoren 1: GEORG HARTMANN

Veröffentlicht 8. November 2017 in Drehbuch, Interview, Schreiben

Es gibt viele, verdammt viele Bücher über das Drehbuchschreiben. Die erzählen im Prinzip alle dasselbe, nur im anderen Gewand.

Persönlich lese ich am liebsten Interviews mit Drehbuchautoren, denn da erzählen Leute, die wissen wovon sie reden. Praxis statt Theorie. Es gibt viele gute Interview-Bücher mit amerikanischen und englischen Autoren, aber leider keins mit Schreibern aus Deutschland, zumindest kenne ich keins.

Deswegen nehme ich das jetzt mal selbst in die Hand und werde hier sporadisch Interviews mit Kollegen*innen veröffentlichen.

Der erste, der so nett war, ein paar Fragen zu beantworten, ist Georg Hartmann. Georg und ich haben uns vor ein paar Jahren bei einer gemeinsamen Serienentwicklung kennengelernt, aus der, wie so oft, nichts wurde. Aber wir hatten Spaß und das ist in unserem Job eine Menge wert.

Georg kommt aus dem Ruhrpott und lebt momentan in Florida. Wenn er nicht gerade eins von seinen Kindern durch die Gegend kutschiert, sich beim Kanufahren von Krokodilen jagen lässt oder Sturmschäden beseitigt, sitzt er vor seinem Laptop und schreibt für Serien wie Soko Köln oder momentan Dogs of Berlin, eine neue Netflix-Serie aus Deutschland.

Wie es sich für einen echten Jungen aus dem Pott gehört, redet Georg nicht um den heißen Brei herum.

Viel Spaß beim Lesen.

Wie bist du zum Drehbuchschreiben gekommen? Studium? Zufall? Früh? Spät? Weil du nix Richtiges gelernt hast? Erzähl mal von deinem Werdegang.

Das würde den Rahmen sprengen, aber ganz kurz: Uni Bochum, Toffifee (Theater-Film-und Fernsehwissenschaften). Zwei Semester Drehbuchwerkstatt, dabei nix gelernt, außer dass der Dozent mir gesagt hat, ich sollte besser was anderes machen. Hätte nen guten Stil, aber keine Substanz. Der Typ war Redakteur beim kleinen Fernsehspiel, bei den Dingern bin ich immer eingepennt. Ich war Kamera-Assi während des Studiums, wollte über Kamera zur Regie. Bin dann nach LA, weil ich mich in eine Amerikanerin verliebt hatte, bin 10 Jahre geblieben. Über alle möglichen kleinen Jobs im Business dann irgendwann zum Non-Fiction-Schreiben. Dann diverse Entwicklungen für einen deutschen Produzenten – für lau is klar. Dann Dokus, dann Reality TV, Regie und Schreiben, schließlich Full Time Fiction (sprich Drehbuch) in Deutschland. Inzwischen lebe ich wieder in den USA, aber das hat familiäre Gründe. Dachte ich krieg hier keine Arbeit aus Deutschland, aber stimmt nicht. Es läuft …

Was war das erste Drehbuch, das du geschrieben hast?

Mehr Glück als Verstand, eine deutsche Hollywood-Komödie fürs Kino, so ne Fish-out-of -Water-Sache. Ein paar Leute in LA haben’s gelesen, Til Schweigers Development Girl hat gesagt, ich sollte am besten noch mal von vorne anfangen, damit hat sie auch wohl Recht gehabt. Das Ding war Schrott, eine Aneinanderreihung von Witzen …

Was war dein erstes Drehbuch, für das du bezahlt wurdest?

Heiße Ladung, ein Action Concept Backdoor-Pilot, das war… o Gott… ich glaube 1998, ist nie gedreht worden.

Was war dein erstes verfilmtes Drehbuch?

Drive Thru from Hell, ein Kurzfilm, 6 Minuten, für 6000 Dollar, eigenes Geld. War, ich glaub 1997.

Schreibst du neben konkreten Aufträgen auch Drehbücher on spec, sprich ohne vorherigen Auftrag/Bezahlung, weil du sie einfach schreiben willst/musst?

Ja. Einmal bin ich damit bis zum Greenlight bei RTL gekommen, für eine Pilotierung. Aber dann wechselte der Chef und der hat alle Entwicklungen wieder abgesagt. Das war Heartbreak, wir haben schon gecastet, UFA war an Bord.