Interviews mit Drehbuchautoren 1: GEORG HARTMANN

Veröffentlicht 8. November 2017 in Drehbuch, Interview, Schreiben

Es gibt viele, verdammt viele Bücher über das Drehbuchschreiben. Die erzählen im Prinzip alle dasselbe, nur im anderen Gewand.

Persönlich lese ich am liebsten Interviews mit Drehbuchautoren, denn da erzählen Leute, die wissen wovon sie reden. Praxis statt Theorie. Es gibt viele gute Interview-Bücher mit amerikanischen und englischen Autoren, aber leider keins mit Schreibern aus Deutschland, zumindest kenne ich keins.

Deswegen nehme ich das jetzt mal selbst in die Hand und werde hier sporadisch Interviews mit Kollegen*innen veröffentlichen.

Der erste, der so nett war, ein paar Fragen zu beantworten, ist Georg Hartmann. Georg und ich haben uns vor ein paar Jahren bei einer gemeinsamen Serienentwicklung kennengelernt, aus der, wie so oft, nichts wurde. Aber wir hatten Spaß und das ist in unserem Job eine Menge wert.

Georg kommt aus dem Ruhrpott und lebt momentan in Florida. Wenn er nicht gerade eins von seinen Kindern durch die Gegend kutschiert, sich beim Kanufahren von Krokodilen jagen lässt oder Sturmschäden beseitigt, sitzt er vor seinem Laptop und schreibt für Serien wie Soko Köln oder momentan Dogs of Berlin, eine neue Netflix-Serie aus Deutschland.

Wie es sich für einen echten Jungen aus dem Pott gehört, redet Georg nicht um den heißen Brei herum.

Viel Spaß beim Lesen.

Wie bist du zum Drehbuchschreiben gekommen? Studium? Zufall? Früh? Spät? Weil du nix Richtiges gelernt hast? Erzähl mal von deinem Werdegang.

Das würde den Rahmen sprengen, aber ganz kurz: Uni Bochum, Toffifee (Theater-Film-und Fernsehwissenschaften). Zwei Semester Drehbuchwerkstatt, dabei nix gelernt, außer dass der Dozent mir gesagt hat, ich sollte besser was anderes machen. Hätte nen guten Stil, aber keine Substanz. Der Typ war Redakteur beim kleinen Fernsehspiel, bei den Dingern bin ich immer eingepennt. Ich war Kamera-Assi während des Studiums, wollte über Kamera zur Regie. Bin dann nach LA, weil ich mich in eine Amerikanerin verliebt hatte, bin 10 Jahre geblieben. Über alle möglichen kleinen Jobs im Business dann irgendwann zum Non-Fiction-Schreiben. Dann diverse Entwicklungen für einen deutschen Produzenten – für lau is klar. Dann Dokus, dann Reality TV, Regie und Schreiben, schließlich Full Time Fiction (sprich Drehbuch) in Deutschland. Inzwischen lebe ich wieder in den USA, aber das hat familiäre Gründe. Dachte ich krieg hier keine Arbeit aus Deutschland, aber stimmt nicht. Es läuft …

Was war das erste Drehbuch, das du geschrieben hast?

Mehr Glück als Verstand, eine deutsche Hollywood-Komödie fürs Kino, so ne Fish-out-of -Water-Sache. Ein paar Leute in LA haben’s gelesen, Til Schweigers Development Girl hat gesagt, ich sollte am besten noch mal von vorne anfangen, damit hat sie auch wohl Recht gehabt. Das Ding war Schrott, eine Aneinanderreihung von Witzen …

Was war dein erstes Drehbuch, für das du bezahlt wurdest?

Heiße Ladung, ein Action Concept Backdoor-Pilot, das war… o Gott… ich glaube 1998, ist nie gedreht worden.

Was war dein erstes verfilmtes Drehbuch?

Drive Thru from Hell, ein Kurzfilm, 6 Minuten, für 6000 Dollar, eigenes Geld. War, ich glaub 1997.

Schreibst du neben konkreten Aufträgen auch Drehbücher on spec, sprich ohne vorherigen Auftrag/Bezahlung, weil du sie einfach schreiben willst/musst?

Ja. Einmal bin ich damit bis zum Greenlight bei RTL gekommen, für eine Pilotierung. Aber dann wechselte der Chef und der hat alle Entwicklungen wieder abgesagt. Das war Heartbreak, wir haben schon gecastet, UFA war an Bord.

Create & Inspire Interview

Veröffentlicht 29. Oktober 2017 in Interview, Schreiben

Wen es interessiert, hier gibt es ein Interview mit mir zum Thema Kreativität aus der Create & Inspire-Reihe von der lieben Kollegin Nina C. Hasse, Autorin des Steampunk-Krimis Ersticktes Matt.

Create & Inspire: Stefan Barth