Stefans Horroktoberfest 2017 – Tag 28: DAWN OF THE DEAD (2004) von Zack Snyder & James Gunn

Veröffentlicht 28. Oktober 2017 in Horroktoberfest

Das die Zombie-Filme von George A. Romero heilig sind, muss ich nicht extra erwähnen.

Aber brechen wir mal eine seltene Lanze für ein Remake.

Die von James Gunn geschriebene Version von Romeros Dawn of the Dead steht gänzlich auf eigenen Beinen. Das einzige, was diese von Zack Snyder inszenierte Neuverfilmung mit Romeros Original verbindet, ist die Shopping-Mall als zentraler Handlungsort.

Der Rest ist neu und gelungen und voller eigener Ideen. Gut, die Zombies rennen, muss ich als Zombie-Purist nicht haben, ist aber so, und irgendwie auch beschissen furchteinflößend. Die Hauptfigur ist eine toughe Frau und die Gruppe von Überlebenden ein illustrer Haufen. Es macht Spaß und ist sauspannend zusehen, ob und wie und wer hier lebend rauskommt.

Dawn of the Dead (2004) ist einer dieser Streifen, die man immer weitergucken will, wenn man mal zufällig reinzappt (wobei, wer zappt eigentlich noch?) und das ist eins der besten Komplimente, die man einem Film machen kann.

Stefans Horroktoberfest 2017 – Tag 27: Die EDEN-Reihe von Tony Monchinski

Veröffentlicht in Horroktoberfest

Mehr Zombies.

Auf der Liste meiner Lieblingsbücher über die wandelnden Toten kommt Tony Monchinskis EDEN Reihe gleich nach World War Z von Max Brooks.

Hart. Schmutzig. Depressiv.

Es gibt schnelle Zombies, langsame Zombies, für jeden Geschmack etwas.

Und kein Splatter um des Splatters willen.

Der erste Band, Eden, hat zwei zeitliche versetzte Handlungsstränge. Der eine spielt nachdem die Welt bereits den Bach runtergegangen ist, und sich eine Gruppe von Überlebenden in New York eine Bastion namens Eden geschaffen hat. Aber irgendjemand lässt eines Nachts die Zombies herein. Zwar können die Untoten abgewehrt werden, aber die Hauptfigur Harris wird gebissen. Er weiß, er hat nicht lange, bevor er selbst zum Zombie wird, aber bis dahin will er noch herausfinden, wer und warum den Untoten Zugang zu Eden verschafft hat. Das alles unterschnitten mit Kapiteln, die die Erlebnisse der verschiedenen Bewohner Edens während des Ausbruchs der Zombie-Apokalypse beschreiben. Erzählt mit einer kompromisslosen Härte und Düsternis, die unter die Haut geht.

Das zweite Buch, Crusade, steigt ein paar Jahre später ein und greift ein paar der Charaktere aus dem Vorgänger wieder auf.  Es geht, wie der Titel verrät, um den „Kreuzzug“ der Überlebenden gegen die Zombiehorden. Unvergesslich der Einstieg, in dem Monchinski schildert, wie zwei zwei der Charaktere eine ganze Kleinstadt von Untoten bereinigen und sich die Leichen im wahrsten Sinne des Wortes zu Bergen türmen. Dann noch die surreale Szene mit einem nackten, zwergwüchsigen Zombie – interessante Kleinigkeiten, die Monchinskis Bücher zu etwas Besonderem machen.

Der dritte und vierte Teil der Reihe, Resurrection und Moriah, sind eigentlich ein Buch, dass Mochinski aufgrund der Länge in zwei Bände unterteilt hat. Die Handlung spielt fünfundzwanzig Jahre nach dem Ausbruch der Zombie-Apokalypse, in einer Zeit, in der die Menschheit es geschafft hat zumindest einen Teil ihrer Zivilisation wieder herzustellen. Es gibt von Zombies gereinigte Landstriche in denen das Leben wieder in geregelten Bahnen verläuft und hinter hohen Mauern Gebiete, in denen die letzten Untoten herumstreifen. Und andere Gefahren lauern. Eine Gruppe von jungen Leuten bricht auf der Suche nach einem der Charaktere aus den vorangegangenen Büchern in eins dieser nicht bereinigten Gebiete auf – und und gerät dabei an eine Gruppe von radioaktiv verseuchten Mutanten. Die Jagd beginnt ….

In den letzten beiden Büchern verliert Monchinski irgendwann ein bisschen den Fokus und der Mangel an Zombies mag den ein oder anderen enttäuschen, aber Resurrection und Moriah bilden nichtsdestotrotz einen konsequenten Abschluss für die Reihe.

Auf Deutsch ist nur das erste Buch bei Heyne erschienen.

Stefans Horroktober 2017 – Tag 26: HALLOWEEN III – SEASON OF THE WITCH von Tommy Lee Wallace

Veröffentlicht 26. Oktober 2017 in Horroktoberfest

Nach den ersten beiden Halloween-Filmen wartete ich als Teenager in naiver Vorfreude auf den nächsten Halloween-Streifen. Der erschien dann 1982 mit Halloween III – Season of the Witch, wie Teil 2 von John Carptener nur produziert und gescored. Drehbuch und Regie lagen in den Händen eines Typens namens Tommy Lee Wallace.

Noch bevor der Film in meinem örtlichen Kino lief (wenn er überhaupt lief) kaufte ich den Roman zum Film von Jack Martin aka Dennis Etchison, dessen Novelization zu Halloween 2 mich extrem beeindruckt hatte. Ich fing an zu lesen, und nach ein paar Seiten fragte ich mich, wo denn Michael Meyers blieb. Der musste doch jetzt langsam mal in Erscheinung treten.

Tat er aber nicht.

The fuck?!

Stattdessen ging es um einen satanischen Fabrikanten von Halloween-Masken, der mit eben diesen Masken und ein bisschen alter Hexen-Magie ganz sinistre Pläne schmiedet. Mann, was war ich enttäuscht. Und hab mir den Film niemals angesehen. Bin erst wieder mit Teil IV, in dem Michael Meyers zurückkehrte, ins Halloween-Thema eingestiegen. Ich glaube, ich war damals nicht der einzige.

Erst viele Jahre später, als ich immer mal wieder las, dass man Halloween III doch eine Chance geben sollte, schaute ich den Film.

Und?

Sieht man mal von der überflüssigen Frage ab, ob Halloween oder irgendein anderer Film überhaupt eine Fortsetzung braucht, würde ich sagen, dass Halloween III eins der besseren Sequels ist.

Eben weil es keinen Michael Meyers gibt. Weil es eine eigenständige Geschichte ist. Mit derselben unheimlichen Atmosphäre seiner Vorgänger (ich persönlich mag ja Teil 2 und hab ihn tatsächlich vor Teil 1 gesehen).

Und mal ehrlich, ein Halloweenmasken-Hersteller als Bad Guy, das ist schon cool. Der Werbespot des Maskenherstellers, der im Film die Tage bis Halloween herunterzählt, ist inzwischen schon selbst ein Klassiker.

Also, wer Halloween III nicht kennt, oder bislang nicht kennen wollte, weil kein Michael Meyers dabei ist: gebt Euch einen Ruck.

Season of the Witch ist es wert entdeckt zu werden.

Stefans Horroktober 2017 – Tag 25: HALLOWEEN 2 von Jack Martin

Veröffentlicht 25. Oktober 2017 in Horroktoberfest

Immer wenn die Frage aufkommt, welches Buch mich als Autor inspiriert und beeinflusst hat, muss ich diese Halloween 2 Novelization von Jack Martin erwähnen, der eigentlich Dennis Etchison heißt und unter diesem Namen diverse eigene Horror-Romane veröffentlich hat.

Martin/Etchison hat eine tolle Schreibe und die ersten Seiten von Halloween 2 sind mein absoluter Favorit, wenn es um die Beschreibung von herbstlicher Halloween-Atmosphäre geht.

Stefans Horroktoberfest 2017 – Tag 24: THE HITCHER von Robert Harmon & Eric Red

Veröffentlicht in Horroktoberfest

The Hitcher ist das beste Argument dagegen einen Anhalter mitzunehmen.

Denn im schlimmsten Falle steigt Rutger Hauer zu einem in die Karre und dann ist man, salopp ausgedrückt, am Arsch.

Der von Robert Harmon inszenierte und von Eric Red geschriebene Thriller von 1986 hat bis heute nichts von seiner gnadenlosen Power verloren.

C. Thomas Howell spielt den jungen Jim, der ein Auto überführen soll. Von Müdigkeit, Langeweile und Einsamkeit auf der langen Fahrt durch den amerikanischen Südwesten geplagt, entschließt er sich einen Anhalter mitzunehmen. Auftritt Rutger Hauer in einer seiner besten Rollen. Hauers John Ryder ist mehr als ein schlichter Mörder. Er ist eine kranke Seele, die beginnt ein noch viel kränkeres Spiel mit dem armen Jim zu treiben. Leichen beginnen die Highways des Südwestens zu pflastern und wenn Jim nicht anfängt sich zu wehren, wird er am Ende eine davon sein…

Also, statt langer Reden nur eins: The Hitcher finden und gucken. Und bitte das Original und nicht das öde Platinum Dunes Remake mit Sean Bean.

Stefans Horroktoberfest 2017 – Tag 23: THE WALKING DEAD von Robert Kirkman

Veröffentlicht 23. Oktober 2017 in Horroktoberfest

Gerade habe ich das The Walking Dead Trade Paperback Nummer 28 (!) gelesen. Seit 2003, also seit sage und schreibe vierzehn Jahren, schreibt Robert Kirkman jetzt diese Serie vom Überlebenskampf während einer Zombie-Apokalypse. Im Vorwort zum allerersten Trade Paperback schrieb Kirkman, er wolle eine Endlos-Zombie-Serie kreieren und bislang hält er sich wacker.

Ich weiß noch, dass ich nach den ersten Ausgaben dachte, das sei perfekter Stoff für eine Fernsehserie und na ja, so ein Typ namens Frank Darabont war derselben Meinung. Wer von uns, der in den Achtzigern, dem Zeitalter von Indizierung, Beschlagnahmung und Verstümmelung von Horrorfilmen, aufgewachsen ist, hätte damals gedacht, das es mal eine weltweit erfolgreichen Fernsehserie mit Zombies geben würde, in der wöchentlich die Körperteile und Eingeweide nur so über den Bildschirm spritzen, und das mittlerweile auch seit bereits sieben Jahren. Am allerwenigsten wahrscheinlich Robert Kirkman, der Schöpfer & Autor der Comics und Charlie Adlard, der Zeichner.

Die Fernsehserie hat ihre kreativen Ups and Downs und die Comics natürlich auch, das bleibt in vierzehn Jahren einfach nicht aus. Persönlich finde ich beides, Comics und Serie, nach wie vor am Stärksten, wenn die Bedrohung von den titelgebenden wandelnden Toten ausgeht. Ich war nie ein besonders großer Fan von den menschlichen Bad Guys wie dem Governor oder Negan, obwohl es die natürlich braucht. Und Kirkman hat in den Comics einen sehr interessanten Weg mit Negan eingeschlagen, dessen Figur mir in der Serie schon nach wenigen Folgen als One-Trick-Pony auf die Nerven fiel. Bin gespannt, ob die Serie, die sonst ja gern auf eigenen Pfaden wandelt, hier dieselbe Richtung einschlagen wird.

Was will ich eigentlich sagen? Das The Walking Dead (der Comic) eine großartige Sache ist, und das ich trotz gelegentlicher Enttäuschungen immer wieder mit Freude aufs nächste Trade Paperback warte und gespannt bin, wie Kirkman seine Schöpfung frisch hält.

Stefans Horroktoberfest 2017 – Tag 22: THE LOST BOYS von Joel Schulmacher

Veröffentlicht 22. Oktober 2017 in Horroktoberfest

Ich glaube, es war 1987, als ich mit meinem Kumpel Pelle nach München zum fantastischen Filmfest fuhr. Wir übernachteten bei einem Bekannten von Pelle, dem Comic- und Drehbuchautor Rochus Hahn, bei dem auch noch so illustre Gestalten wie ein Comic-Zeichner namens Bilder-Mickey und Autor/Regisseur Andreas „Snake“ Marschall nächtigten.

Letzterer hatte damals eine blond gefärbte Mähne und eine heiße Gruftie-Freundin. Eines alkoholgeschwängerten Abends entwickelte Pelle den Plan, sich mit Hilfe eines Wischmops als Snake zu verkleiden und sich zu besagter Gruftie-Braut ins dunkle Zimmer zu schleichen, in der Hoffnung, dass sie den Unterschied zwischen Wischmob und Original nicht bemerken würde. Es blieb bei natürlich bei einem Plan, aber wir lachen heute noch drüber.

Okay. Ich schweife ab.

Zwei Filme sind mir vom besagten Filmfest im Gedächtnis geblieben: Joe Dante’s Innerspace und eben The Lost Boys von Joel Schumacher.

Sleep all day. Party all night. Never grow old. Never die. It’s fun to be a Vampire.

Zwei Brüder ziehen mit ihrer Mutter zu ihrem Großvater in die kalifornische Küstenstadt Santa Clara. Der ältere Michael (Jason Patric) verknallt sich in eine mysteriöse Schönheit (Jami Gertz), die mit einer örtlichen Biker-Clique unter Führung von Kiefer Sutherland rumhängt. Dumm für Michael, dass es sich bei den jungen Bikern um Vampire handelt. Aber zum Glück hat auch sein jüngerer Bruder Sam (Corey Haim) neue Freunde gefunden: die Frog-Brothers (Corey Feldman, Jamison Newlander), die im örtlichen Comicshop arbeiten und behaupten Vampirjäger zu sein …

Joel Schuhmachers Film ist ein leichtfüßiger Horror-Spaß mit Teenie-Vampiren im Achtziger Glamour-Look. Mehr Komödie als Horror. Geschrieben von Jeffrey Boam, einem bereits verstorbenen Drehbuchautor, dessen rasante und humorgespickte Actionschreibe damals Hochkonjunktur hatte (Lethal Weapon 2 & 3, Indiana Jones and the Last Crusade, der oben genannte Innerspace). Dazu gibt’s einen für diese Zeit üblichen Pop/Rock Soundtrack.

Random Fact: Die langhaarigen Vampire aus The Lost Boys waren für mich der Anlass mir damals die Haare lang wachsen zu lassen.

Stefans Horroktoberfest 2017 – Tag 21: THE NIGHT COUNTRY von Stewart O’Nan

Veröffentlicht 21. Oktober 2017 in Horroktoberfest

Noch so ein Buch, an das ich mich nicht mehr im Detail erinnere, nur daran, dass es mich sehr beeindruckt hat. The Night Country zu Deutsch Halloween, von Stewart O’Nan, ist eine melachonische, traurige und extrem stimmungsvolle Geistergeschichte.

Bei einem Verkehrsunfall in der Halloween-Nacht sterben drei Teenager; zwei überleben, der eine, Tim, unverletzt, der andere, Kyle, entstellt und mit Hirnverletzungen. Die Überlebenden leiden, nicht nur Tim und Kyle, sondern auch der Polizist Brooks, der sich seit dem Unfall schwere Vorwürfe macht. Genau ein Jahr später, wieder zu Halloween, kehren die drei Toten, darunter Tims Freundin Danielle, als Geister zurück, um die (Über)Lebenden zu besuchen …

The Night Country ist kein Horrorroman, streng genommen nicht mal eine klassische Geistergeschichte, wie ich eingangs geschrieben habe. Eher ein grimmiges, herzzerreißendes Drama über die Tragik des Lebens. Denn auch, wenn die Geschichte aus der Perspektive der Geister erzählt wird, geht es um die Lebenden und darum, was der Autounfall mit ihnen anrichtet.

Und wie die meisten Sachen von Stewart O’Nan ist es wunderschön geschrieben. Und wie bei den meisten seiner Romane braucht O’Nan nur halb so viele Seiten dafür, wie manch anderer Autor.

Stefans Horroktoberfest 2017 – Tag 20: THE TOMB OF DRACULA von Gene Colan & Marv Wolfman

Veröffentlicht 20. Oktober 2017 in Horroktoberfest

Marvels The Tomb of Dracula-Comics aus den Siebzigern sind ein großer Spaß.

Nicht nur weil im Marvel-Transylvanien Deutsch gesprochen wird und alles ein bisschen aussieht wie in Bayern.

Es sind knallbunte, dynamische Comics, die alle Einflüsse, von Bram Stokers Roman über die Universal-Klassiker bis hin zu den Hammer-Filmen in einen Topf werfen und als Marvel-Actionspektakel neu verwursten.

Comics aus der Zeit, in der die Charaktere jedes Panel gnadenlos mit theatralischem Dialog vollquatschen und ihre Auftritte immer vollmundig ankündigen, so wie Blade, der hier zum ersten Mal in Erscheinung trat.

Hauptfigur ist Frank Drake, ein Nachfahre von Dracula, aber kein Vampir, der zögerlich das Familienerbe antritt und zum Schloss Dracula in Transylvanien reist. Doch Drakes hinterhältiger Freund Clifton erweckt aus Dummheit und Gier den von Abraham Van Helsing getöteten Dracula wieder zum Leben und wird dessen treuer Diener, so wie der irre Renfield in Stokers Roman. Als Franks Freundin von Dracula zur Vampirin gemacht wird und er sie töten muss, schließt sich Frank Rachel Van Helsing, der Enkelin von Abraham Van Helsing und dem an den Rollstuhl (einen der Holzpflöcke verschießt) gefesselten Quincy Harker  an, um den Blutgrafen zur Strecke zu bringen.

Und das hat Frank Drake sieben Jahre und siebzig Ausgaben lang, von 1972 – 1979 versucht. Die gesammelten The Tomb of Dracula Comics sind auf Deutsch in zwölf Ausgaben bei Panini erschienen, oder man gönnt sich die drei englischen Trade Paperbacks.

Stefans Horroktoberfest 2017 – Tag 19: THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE von Tobe Hooper

Veröffentlicht 19. Oktober 2017 in Horroktoberfest

Als ich  The Texas Chainsaw Massacre vor über 30 Jahren das erste Mal sah, war ich nicht sonderlich beeindruckt. Wird wohl einer dieser Videoabende gewesen sein, wo die Kumpels und ich uns bevorzugt Horrorfilme reinzogen. Bei The Texas Chainsaw Massacre waren wir damals enttäuscht, weil der Streifen vom erst kürzlich verstorbenen Tobe Hooper nicht den Splatter lieferte, den der Titel vermeintlich versprach. Wahrscheinlich ließ uns auch die beinahe dokumentarische, vordergründig ungeschliffene Machart kalt (und wahrscheinlich sind wir zwischendurch auch öfter in die Küche Bier holen gegangen). Jedenfalls war der Ruf des Films immer größer, als der Eindruck, den er damals bei mir hinterlassen hatte.

Vor ein paar Tagen habe ich – älter und reifer (irres Gelächter) – den Film noch einmal gesehen. Und was soll ich sagen. The Texas Chainsaw Massacre ist ein Knaller. Ein absoluter Knaller, der die Bezeichnung Schocker wirklich verdient. Kein filmisch hochpolierter Torture-Porn, der sich in expliziten Gewaltdarstellungen suhlt, sondern ein schmutziges, semi-dokumentarisches Filmchen über fünf junge Leute, die an eine Familie von kannibalischen Hinterwäldern geraten und massakriert werden. Eine Story, die das Horror-Genre über die Jahrzehnte bis zum Erbrechen kopiert hat.

Hoopers Film von 1973  ist so hervorragend simpel. Fünf Charaktere, die eigentlich nicht mehr sind, als Geschlechter und Namen: zwei Frauen, drei Männer, einer davon im Rollstuhl. Die einzige Form der Charakterisierung ist die Tatsache, dass Sally (Marylin Burns) und der Rollstuhlfahrer Franklyn Geschwister sind. Die Schockmomente des Films funktionieren ohne Inszenierungs-Tricks aus dem Horror-Handwerkskasten. Das ungeschriebene Drehbuchgesetz will ja eigentlich, dass die „Heldin“ eines solchen Films ab einem gewissen Punkt zurückschlägt und ihre Peiniger genauso brutal massakriert wie die ihre Freunde.Aber Marylin Burns macht nichts anderes, als zu fliehen und zu schreien (sie schreit die letzten fünfzehn Minuten beinahe ununterbrochen). Das macht den Film umso realistischer und nervenaufreibender.

Dazu die Tatsache, dass Tobe Hooper mehr oder weniger ohne Splatter-Effekte auskommt, man anschließend aber den Eindruck hat, man habe die abscheulichen Greueltaten von Leatherface viel detaillierter gesehen. Die Gewalt des Films findet hauptsächlich im Kopf des Zuschauers statt. Umso interessanter die Tatsache, dass er in Deutschland, wie so viele andere seiner Zeit, seit 1982 indiziert war und wegen Gewaltverherrlichung beschlagnahmt wurde. Die Beschlagnahme ist erst seit 2011 auf Betreiben von Turbine Medien, die den Film inzwischen in diversen liebevollen Editionen als Blu-Ray veröffentlicht haben, wieder aufgehoben.